Do-Khyi: Die Fabel vom Molosser!
Wer immer im WWW oder in den wenigen, deutsch- oder englischsprachigen Büchern nach einer genauen Definition des Do Khyi sucht wird nach der Lektüre eher mehr Verwirrung als Aufklärung erfahren haben.
Seitenlange Abhandlungen, Thesen, Theorien!
Auffallend bei allen ist, dass keine Original – Quellenangaben geführt werden. Reicht es ein oder zwei Bücher anzuführen?
Wer hat eigentlich den Do Khyi zum Urahn aller Kampf- und Herdenschutzhunde erklärt? Mit welchen Quellen, Erkenntnissen und Nachweisen?
Wer hat Interesse daran, diese Klassifizierung am Leben zu erhalten?
Mit der unseligen Namensgebung als „Tibetan Mastiff“ durch Engländer Mitte des 18. Jahrhunderts für den Do Khyi den großen Hund der Tibetischen Bevölkerung, ist der Rasse kein guter Werdegang von Anfang an in die Wiege gelegt worden!
Bis heute versucht man den Mastiff im Do Khyi zu finden!
Hier eine Beschreibung welcher jeder erfahrene Do Khyi – Halter sofort auf seinen Hund übertragen würde:
„ …wie alle ursprünglichen Hunde ist er sehr eigenständig und weist große Problemlösungsfähigkeit auf welche ihn schwer erziehbar macht. Er ist aber sehr wohl bereit zu lernen, führt Kommandos aber nur dann aus wenn er es will und er einen Nutzen für sich darin erkennt.
Durch sein angenehmes Wesen ist er aber – entsprechende Lebensbedingungen vorausgesetzt- als Familienhund für Halter mit Erfahrung geeignet. Er ist ein Hund mit starker territorialer Verteidigungsbereitschaft und dort auch unverträglich mit Artgenossen, welche er nicht kennt.
Er st sehr auf seine Besitzer und deren Familie bezogen und kann sehr verschmust sein. Vorausgesetzt er will es! Er ist menschenfreundlich, aber Fremden gegenüber anfangs meist stark reserviert…..“
Der Do Khyi als Urahn aller heute als Molosser bezeichneten Rassen?
Weshalb pflegt man auch mit neuesten Beschreibungen im WWW genau dieses, längst auch durch moderne Forschung widerlegte Image?
Wird das dem tatsächlichen Wesen dieser ursprünglichen Hunde vom Herdenschutzhundtyp wirklich gerecht?
- Der oben beschriebene Hund ist ein auf Bali vorkommender, mittelgroßer, dem Spitz ähnlicher Hund. Der wie der Do Khyi nur einmal im Jahr eine Fortpflanzungsphase hat und dem Dingo genetisch nahe steht. Frühe Reisebeschreibungen dieses Pariahundes, Anfang des 19. Jahrhundert lesen sich im Bezug auf sein Verhalten wie die vielen Reisebeschreibungen über Hunde aus Tibet!
Weshalb werden andere Hunderassen über ihr Erscheinungsbild und über ihren „rassetypischen Charakter“ als Rasse definiert und der zutreffenden Gruppe zugeordnet?
Wieso hat das bis heute beim Do Khyi keine Rolle gespielt?
Sind wir heute in der Kynologie nicht mehr lernfähig?
Wird ein Liebhaber vom Wesen und Verhalten eines z.B. English Mastiff tatsächlich in einem Do Khyi seine Entsprechung finden?
Wer hat denn die immer wieder so gern ins Spiel gebrachte „Story“ erstmalig erzählt, von den angeblich „ältesten schriftlichen Hinweisen auf den Do Khyi datiert auf 1121 v. Chr.“ in der chinesischen Geschichtsschreibung?
Über einen vom Volk „Liu“, an einen chinesischen Kaiser, namens „Wou-Wang“ als Geschenk gegebenen Hund, namens „Ngao“, welcher über 120 cm (Quelle: 4 Fuß) groß gewesen und zur „Jagd auf Menschen“ abgerichtet gewesen sein soll?…
Weshalb wird dazu niemals auf die originalen Quellen hingewiesen?
Schon der Autor Uli Gelbrich (Tibetische Hunde, Kynos, 1987) weist auf die Quelle nicht mehr hin! Sehr wohl aber auf seine einzig vorliegenden Quellen zum Do Khyi: Max Siber (Der Tibethund, Winterthur 1897) und Richard Strebel (Die Deutschen Hunde, Ertel 1905).
M. Siber und R. Strebel hatten aber die ihnen vorliegende Quelle noch genau angeführt; „Le livre de Marco Polo par M.G. Pauthier, Paris, 1865“
Was heißt das denn?
Die Quelle für einen tatsächlich nie vorliegenden, angeblich „ältesten, schriftlichen, historischen Nachweis“ stammt von einem Herrn M.G. Pauthier, welcher in die schriftlichen Teilstücke von Aufzeichnungen der Erinnerungen Marco Polos noch Einblick nehmen konnte, bevor diese verloren gegangen sind. Pauthiers Notizen dazu liegen noch heute im Pariser Museum!
Die Quelle ist also eine Interpretation von M.G. Pauthier aus 1865, der eingesehenen Aufzeichnungen über Erinnerungen Marco Polos im 13. Jahrhundert unserer Zeit. Weder ein chinesischer Kaiser, dieser Namensgebung, noch ein Volk namens Liu ist uns bis heute, weder archäologisch, noch schriftlich nachweislich bekannt geworden.
Die Interpretation der Größe des Hundes, bezieht sich auf die Maßeinheit „Fuß“ welche um 1865 als Handelsmaß in Europa gebräuchlich war. Damit reduziert sich die Größe des Hundes auf die heute noch beim Do Khyi vorliegende „normale“ Größenangabe!
M. Siber, wie R. Strebel übersetzen beide noch übereinstimmend zu M.G. Pauthier, dass die Abrichtung des Hundes „Menschen zu jagen“ wie in der Quelle auch angegeben, der damals noch gebräuchlichen Ausbildung von „Fährtenhunden“ in Amerika entsprach, welche Ende des 18. Jahrhunderts auch entlaufene Sklaven aufspürten. Ein Spürhund also!
Warum werden solche originalen Hinweise einfach „vergessen“?
Wer hat ein Interesse daran einer ursprünglichen Hunderasse, wie dem
Do Khyi aus Tibet eine „Historie“ anzudienen?
Auch der Vergleich mit allen Abbildungen „indischer Hunde“ bei römischen oder griechischen Dichtern wurde 1897 (!) von Max Siber noch kritisch gesehen…
„ Wir unterlassen alle die bedeutungslosen Nennungen der indischen Hunde, zu denen sie auch die Tibeter zählten, da sie sie über Indien erhielten, durch die römischen Schriftsteller aufzuzählen, da sie doch nur wertlose Wiederholungen sind…“ (Zitat Max Siber, Der Tibethund, Winterthur 1897).
Ebenfalls in den 1980er Jahren erscheinen dann die ersten beiden Bände, welche den
Do Khyi erstmals als „Urahn aller Kampfhunde“ anführen! (Kampfhunde I, II, D.Fleig, Kynos 1986)
Die Herleitung der Tibeter sei mit den auch heute noch überall wieder und wieder gezeigten „Assyrischen Doggen“ eines Basreliefs in Abstammungstheorie zu sehen, wurde schon von M. Siber, aber auch durch die einzige Quelle für die Bände Kampfhunde I, II, R. Strebel, 1906 kritisch betrachtet, weil…. nur über das „Vorliegen von doppelten Afterkrallen“ abgeleitet (Zitat: M. Siber, 1897).
Die Einordnung des Do Khyi durch M. Siber in ein Abstammungsmodell von vier „ursprünglichen Grunddomestikationstypen“ des Hundes des Kynologen Prof. Dr. Studer, Bern, 1894-96, war hingegen noch ziemlich wenig „Heroisch“ und ist für die gegen Anfang bis Mitte 1980er Jahre unserer Zeit erst statt gefundene Festlegung der Legendenbildung um den Do Khyi weniger geeignet gewesen!
Warum sind bei anderen Rassehunden deren „Liebhaber“ so stolz wenn „ihre“ Rasse in neuesten, modernen, gentechnischen Studien zur Entstehung und Einordnung mitwirken und erforscht werden kann?
Weshalb wird nichts dergleichen stolz im WWW über den Do Khyi verkündet?
Wer hat schon eine Rasse zu betreuen, hält und liebt diese, welche an einer solchen Arbeit mitwirken konnte?
Weshalb ist das Mitwirken von vier Do-Khyi, sowie vieler verschiedener Straßenhunde aus der autonomen Region Tibet und ehemals tibetischer, heute chinesischer Provinzen an der Evolutionsstudie mit deren Mitochondrien-DNA durch Hn. Savolainen und Kollegen, 2002 keine Erwähnung wert?
Immerhin legen die Ergebnisse den Schluss nahe, dass die untersuchten Do Khyi und die „rasselosen“ Straßen- oder Pariahunde aus den benannten Ursprungsregionen noch nahe am Ursprung des Beginnes der Domestikation liegen.
Sie zeigen auch, dass beide Beteiligte, Do Khyi und tibetisch/chinesische Pariahunde ziemlich unbeeinflusst von Einflüssen modernerer Hundetypen geblieben sind.
Wird das Ergebnis nicht erwähnt, weil die Ergebnisse auch zeigen, dass der Einfluss des Do Khyi auf die Entwicklung weiterer „heroischer Hundetypen“ eine Nebensächliche in der Evolutionsgeschichte; – vom mongolischen Wolf (Unterart Grauwolf) bis zum Haushund beginnend mindestens vor ca. > 15 000 Jahren gewesen sind?
Lässt sich die Realität eines ursprünglichen Hundes mit territorialem Wachinstinkt weniger gut verkaufen – weil weniger Heroisch, Legendär und Fabulös?
Wer sich für unverfälschte Tiere der Rasse Do Khyi interessiert, sollte Erfahrung haben und Interesse am Lernen mitbringen. Vor allem für das dem Hund eigene Ausdrucks- und Sozialverhalten!
Der Do Khyi ist ein ursprünglicher und noch nicht spezialisierter Herdenschutzhund!
Das macht seine Haltung – die ihm entsprechenden Lebensbedingungen vorausgesetzt – für Halter mit der entsprechenden Erfahrung, aber auch Lernfreude einfach.
Durch sein angenehmes Wesen ist er, oben genannte Bedingungen vorausgesetzt als Familienhund für verantwortungsbewusste Halter geeignet!
Aber ein Hund aus der Gruppe der Doggenartigen, heute als “Molosser” bezeichnet, ist der Do-Khyi nicht!
Nachtrag vom 06.06.2009:
Ist es wirklich notwendig, wie es derzeit geschieht, durch den Einsatz rassefremder in der Zucht aus dem Do Khyi, oder dem großen Tibetischen Hund einen molossoiden Hund zu machen? Endlich, weil er es aus sich selbst nicht zustande brachte?
Die Typenvielfalt hat wieder zugenommen. Die Rassefanatiker und Liebhaber haben es in der Hand was aus dem Do Khyi wird!
Dieser Artikel sollte als ein Aufruf verstanden werden einem am Reißbrett konstruierten “Tibetan Mastiff” mit Information und Wissen entgegen zu treten! Mit dem Do Khyi aus Tibet, dem Hund der tibetischen Bauern, Händler und Nomaden hat diese Form des in den Köpfen westlichen Denkens vorliegenden, über das vorgebliche “Nirvana der Hundeartigen” dieses uns erhaltenen Hundetyps, nichts mehr zu tun.
Wir werden also in Kürze auf unserer Homepage Tibimaxe dazu, zu genau diesem Thema, deutlich zu seiner “Entmystifizierung” beitragen.
YarlungTsangpo
Literatur/ Quellenhinweise:
Gelbrich, Uli,. Tibetische Hunde, Kynos Verlag 1987
Siber, Max, Der Tibethund, Gerin Verlag, 1897
Strebel, Richard, Die deutschen Hunde, Jubiläumsausgabe 1986
Fleig Dr. D., Kampfhunde I, II, Kynos Verlag, 6.Auflage 1995
Trumler, Eberhard, Meine wilden Freunde, Piper Verlag, 1981
Wörner, Dr. Frank, Wolf Magazin 3/08 S. 25,26
Peter Savolainen, et.al.Science 298, 1610 (2002) DOI: 10.1126/science.1073906, “Genetic Evidence for an East Asian Origin of Domestic Dogs
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http://members.aon.at/kurt.sagmeister/info/Streuner.htm










[...] einmal aufmerksam werden lassen. Braucht unsere Gesellschaft wirklich immer größer gezüchtete “Übergiganten”? Ein Weg welchen ja gerade eben die Rasse Do-Khyi zu gehen [...]