Do Khyi – wie der Begriff Familienhund verwendet wird …
Es war einmal… (Märchen?!)… ein Treffen mit Do-Khyi – Hunden und Haltern welches auch in den Medien dargestellt werden sollte…
Nach dem Laufen saßen Do-Khyi – Hunde und deren Halter noch gemütlich beisammen. Natürlich ziehen diese Hunde auch allerlei Kinder im Biergarten an. Und schon begann ein nettes Spiel welches darin mündete, dass ein noch jugendlicher Do-Khyi Rüde an der Leine einen kleinen Jungen scheinbar spielerisch „behuckeln“ wollte….
Nichts und Niemandem ist etwas passiert!
Was wir hier mit diesem Beispiel erklären wollen ist, dass Hunde gerne mit kleinen Kindern wie mit gleichaltrigen Hunden „spielen“… Dieses aber wird von kleinen Kindern nicht erkannt, weil ihnen noch das Bewusstsein für eventuell brenzlige Situationen fehlt und diese also nicht erkennen in welche Situation sie sich bringen können.
Warum wir das Schreiben?
Weil immer noch zur Rassedarstellung des Do-Khyi *Witzigste Werbespots im Web* zu finden sind, auf Webseiten, Blogs und auf großen Hundeforen welche gerade den Do-Khyi als idealen „Spielpartner“ für kleine Kinder beschreiben.
Woher das kommt? Welche Erkenntnisse stehen dahinter – Sind das wirkliche Beschreibungen und Eignungen, allgemein als für eine Rasse typisch? Kann es als eine Rasse-Empfehlung angenommen werden?
Denn genau So (!) und nicht anders werden solche *Witzigste Werbespots (im) Web* von unbefangenen Lesern verstanden!
Es gibt ein paar – ganz wenige Beschreibungen zum Do-Khyi, von ersten Globetrottern und Reisenden aus Tibet (1860-1936) über diese Hunde, welche auf die Beziehung der Hunde und die Bedeutung des Do-Khyi bei den Nomaden und für die wenigen Kinder der Nomaden hinweisen…
Die vielen, unzähligen anderen Beschreibungen der arbeitenden Hunde der tibetischen Bevölkerung hat man, wie es den Anschein hat, aus vielleicht (?) eigenem Interesse unter den Tisch fallen lassen…
Und so wird also dem Do-Khyi, bis einschließlich heute, seine Rolle zu gewiesen. Nur aufgrund alter historischer Reiseerinnerungen und – in der Verhaltenskunde nicht nachvollziehbarer, alter Beschreibungen – welche den Beziehungen zwischen den Menschen und deren Hunden nicht ein Mal eine wirklich genauere Analyse gewidmet haben.
Wie man es gerade braucht und haben möchte – die Einen bevorzugen es ihn als Kinder- und Anfänger-Hund und langsam, stoischen Begleiter und Spielkamerad (!) darzustellen – die Anderen bevorzugen die *wilden Seiten* (!) der althergebrachten Reisebeschreibungen…
Ein Hund welcher in enger Anbindung an *seine Familie*, statt in abgeschiedener Isolation, gehalten werden sollte. Dafür wird der missverständliche Begriff *Familienhund* verwendet. Darf diese Haltungsbedingung dann als *Spielkamerad für kleine Kinder* verwendet werden, im Sinn *als besonders dafür geeignet*?
Wie soll ein wirklich an der Rasse Interessierter mit diesen Gegensätzlichkeiten bei anscheinenden Rassen– Empfehlungen dann ein zutreffendes Bild dieser Hunderasse bekommen?
Gibt es beim Do-Khyi wirklich keine realistischen Rassebeschreibungen und für dessen wirkliches Wesen und Verhalten – zwischen solchen Extremen?
Erst einmal festgestellt: Do-Khyi sind Hunde… (!)
Sie sind keine *Götter* wie wir unter dem Suchbegriff Do-Khyi unter *Witzigste Werbespots (im) Web* finden konnten (!)
Noch dazu waren die Do-Khyi noch vor cirka 30 Jahren (also um 1975!) generell noch an der Herde oder am Zelt als arbeitender Herdenschutzhund, auf Gebrauchseigenschaften ausgewählt, tätig.
Noch aktuell bis heute werden, um den engen Flaschenhals seiner Zuchtgründung aufzulockern, weitere, auch noch als arbeitende Hunde in ihren Herkunftsländern geborene Do Khyi-Importe in die Zucht einbezogen!
Kann man dann wirklich verantwortungsbewusst mit dem *Siegel des Kinderhundes* werben? Darf man einen solchen Eindruck überhaupt, im Bezug auf Hunde, entstehen lassen? Geht diese Darstellung von Hunden nicht an den wirklichen Bedürfnissen von Familien, Kindern und Hunden vorbei?
Zwischenzeitlich gibt es sehr viel an ethologischen (Verhaltenskunde) Beobachtungen und Dissertationen zur tatsächlichen Verhaltensweise des Hundes und zu „Unfällen“ welche im Umgang mit dem Hund passieren…
Weshalb sind diese Erkenntnisse in der Welt des WWW im Bezug auf die Darstellung des Do-Khyi/ Tibet-Dogge gänzlich an einigen Autoren vorbei gegangen?
Wohl bemerkt, keine Untersuchung zum Do-Khyi direkt aber, zum Hundeverhalten allgemein.
Ein wissender Mensch wird sicher weniger der Bewerbung dieser Hunderasse als *Götter* anhängen und so werfen wir einen Blick hinein in die neueren Erkenntnisse zu Unfällen mit Hunden…
Die erste Erkenntnis, dass Hunde nicht unberechenbar sind!
Bissverletzungen durch Hunde sind vorhersehbar und vermeidbar, nur haben Menschen die deutlichen Vorzeichen nicht erkannt! Hunde beißen also nur selten ohne Grund!
Obwohl sich heute viele Hundehalter ausführlicher als früher informieren, zeigen sie doch gleichzeitig eine stark vermenschlichende Sicht und auffallende Unkenntnis im Umgang mit Hunden….
– Wundert uns das bei solchen *Witzigsten Werbespots allein schon zum Do-Khyi im Web*?
Das nötige Wissen können Hundebesitzer ganz offensichtlich nicht durch Bücher und Medien beziehen, sie müssen es aktiv vermittelt bekommen!
Die wichtigste Lernperiode in der Entwicklung zum sicheren Hund liegt in der sensiblen Phase, bis etwa zur 12. Woche eines Welpen.
Der normale Do-Khyi, über den wir hier schreiben, befindet sich den überwiegenden Teil dieser Phase meist noch bei seinem Züchter…
Damit wird klar wie viel – ganz speziell – bereits von der Auswahl einer verantwortungsvollen Zuchtstätte abhängen kann!
Ob diese Verantwortung bei den Stellen, welche mit den *Witzigsten Werbespots (im) Web* zum Do Khyi – Welpen Förderung des Absatzes betreiben, in den verantwortungsvollsten Händen liegt?
Für diese Frage müssen Sie eine Antwort finden!
Die zweite Erkenntnis, dass Hunde durch Herkunft, Erziehung und Sozialisierung zu sicheren Hunden werden. Das bedeutet im Klartext: Gefährliche Hunde werden erzogen und nicht geboren… (!)
Ein Hund der unsere Forderungen nach Tauglichkeit für eine Familie, auch mit Kindern, erfüllen soll darf keine Ängste und Unsicherheiten haben. Er muss die Chance haben bei seinem Züchter, und später bei seinem Halter, alle Gegenstände des Alltags angstfrei kennen zu lernen und angemessenen Umgang mit Menschen und Artgenossen zu üben. Das geht nicht bei einer abgesonderten Aufzucht und Haltung, so wie sie im WWW für den Do-Khyi gerade als Haltungsbedingung für die Rasse empfohlen wird!
►► Angst ist einer der häufigsten Auslöser für aggressives Verhalten!
Kann vor diesem Hintergrund überhaupt eine Hunderasse als Spielkamerad – speziell für Kinder geeignet – bezeichnet werden? Kann eine solche Anpreisung für wirklich alle Vertreter einer Hunderasse gelten?
Werden Unfälle durch auffallende Unkenntnis nicht durch Darstellungen dergestalt auch damit in Kauf genommen?
Inwiefern spielen die Hunderasse und die Haltung, bei Unfällen mit dem Hund, überhaupt eine Rolle?
Die dritte Erkenntnis heutigen Wissens ist, dass als der gefährlichste Hund – statistisch gesehen – immer der eigene Hund zu sehen ist…(!)
Cirka 80% der Bissverletzungen wurden bei Untersuchungen durch einen dem Opfer gehörenden, oder vertrauten Hund verursacht…
Es eignen sich auch nicht alle Rassen und deren Mischlinge für Hundeanfänger oder für ein – ihrem Arbeitstrieb – nicht entsprechend ausgelastetes Leben in einer Familie. Besonders eine Zucht auf besondere Arbeitsleistungen, wie zum Beispiel an der Herde oder für Jagdeigenschaften, erfordern bei solchen Hunden erfahrene Ausbilder und Hundehalter – aber auch ein umfassendes Betätigungsfeld für den Hund.
Auch Herdenschutzhundrassen, welche wie der Do-Khyi bis vor kurzem noch in ihrem angestammten Arbeitsgebiet waren, sind davon nicht ausgenommen!
Darf man den Do-Khyi dann damit als einen idealen Spielkameraden und Bewacher für unsere Kinder bezeichnen?
Ist eine Haltung des Do-Khyi dem entsprechend nur auf einem eigenen Grundstück mit Hügel dann angemessen?
Die vierte Erkenntnis ist, dass es bei Unfällen mit dem Hund auch häufig um die Verteidigung von Status oder Rang, sowie von Ressourcen geht.
Ein Hund in der Familie muss klar und gewaltfrei in seinen Rang eingewiesen werden. Im anderen Fall führt Normalverhalten des Hundes zu Unfällen. Statistisch gesehen trifft dies in 60% der Fälle Kinder.
Kinder unter 9 bis 10 Jahren werden doppelt so häufig gebissen wie Erwachsene. Im häuslichen Umfeld sind 5-jährige Kinder besonders gefährdet!
Ist ein großer Hund überhaupt für die Haltung als *Spielkamerad* für kleine Kinder geeignet?
Um das Risiko für derartige Unfälle zu reduzieren steht an oberster Stelle die Intensivierung der permanenten Kontrolle und Überwachung von Hund und Kind, sowie deren Verhalten im Umgang, durch Erwachsene.
Erst an zweiter Stelle steht die Aufklärung, zum Beispiel durch Aufklärungsprogramme für Kinder (und Erwachsene), zu deren Verhalten einem Hund gegenüber.
Nahezu 80% von Unfällen dieser Art mit dem Hund gehen, statistisch gesehen, auf das Fehlverhalten von Hundehaltern zurück.
Ist es ein besonderes Attribut für qualitative Zuchtstätten, wie in den *Witzigsten Werbespots im Web* zum Do-Khyi – Welpen zu finden, dass Welpen überwiegend in Familien mit Kindern abgegeben werden, wenn statistisch gesehen allgemein 80% aller Hundehalter Familien mit Kindern sind?
Nur Aufklärung fördert Wissen und entsprechend überlegtes Handeln und Verhalten! Dieses kann verhindern, dass Hunde „zum Biss greifen müssen“.
Die Vorbeugung setzt die Vermittlung von Fachwissen an Hundehalter voraus.
Ist es wirklich angemessen und der Verantwortung bewusst, Wissen zu normalen Verhaltensweisen beim Hund, verallgemeinert oder gar nicht darzustellen? Ist es wirklich jedem Einzelindividuum und den Gebrauchseigenschaften des Do-Khyi gerecht werdend, ungeachtet seiner Startchancen in ein sicheres Leben, allgemein für alle diese Hunde einen verspielten Umgang mit Kleinen und Schwachen – also auch kleinen Kindern – vorauszusetzen?
Das Bild der angestrebten Rassedarstellung für den Do-Khyi, oder der Tibet-Dogge, durch die *Witzigsten Werbespots (im) Web*, ist kein geeignetes Angebot an Halter, umfängliches und zutreffendes Wissen über diese Hunderasse zu erwerben!
Literatur:
Coppinger, R. u. L. (2002) Dogs: A New Understanding of Canine Origin, Behavior and Evolution
DeHasse, J. (2002) Aggressiver Hund, Edition Ratgeber Haustier
DER BLAUE HUND (2007): So spielen Kleinkinder sicher mit dem Familienhund DVG Service GmbH, Giessen
JUNG, H, FALBESANER, U. und DÖRING-SCHÄTZL, D. (2007): Der tut nix! Gefahren vermeiden im Umgang mit Hunden. Hrsg. Bayerische Landestierärztekammer und Institut für Tierschutz, Verhaltenskunde und Tierhygiene, Universität München, Ulmer-Verlag, Stuttgart
HORISBERGER, U. „Medizinisch versorgte Hundebissverletzungen in der Schweiz – Opfer – Hunde – Unfallsituationen“, Dissertation, Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Bern und Bundesamt für Veterinärwesen 2002.
HORISBERGER,U. PILLONEL, C. (2007): Wer beisst wen?
http://www.svk-asmpa.ch/hund/beissen/index.html
FEDDERSEN-PETERSEN, D.(2004): Hundepsychologie: Sozialverhalten und Wesen. Emotionen und Individualität
FEDDERSEN-PETERSEN, D.(2008): Ausdrucksverhalten beim Hund. Mimik, Körpersprache, Kommunikation und Verständigung
SCHWEIZER HUNDEMAGAZIN: Schweizer Hundemagazin 8/2002
DOGS: dogs Magazin 4/2009 „Der tut Nichts!“ Über Ursachen, Folgen und sinnvolle Maßnahmen, die Beißunfälle verhindern können




